Energiesparend streamen: So schonst du das Klima beim Videostreaming

Was unnötig Energie frisst, wie du wirklich klimaschonend streamen kannst

Videostreaming frisst Energie und sorgt für CO2-Ausstoß. Wie du umweltfreundlicher streamen kannst, zeigen diese Tipps! Die Unterschiede sind zum Teil enorm.

Energiesparend streamen (Bild: artofsmart.de)

Die Server, von denen die Videos ausgeliefert werden, die Datennetze, in denen sie übertragen werden, die Endgeräte, auf denen sie angeschaut werden – all diese Stationen des Videostreamings verbrauchen Energie. Wieviel, das kannst auch du beeinflussen. Wir zeigen dir, wie du deinen CO2-Fußabdruck beim Streamen ohne große Einbußen reduzieren kannst.

Keine Sorge, du musst nicht weniger streamen! Als Nutzer kannst du den Energieverbrauch vor allem durch die Wahl der Übertragung beeinflussen. Die Bildqualität spielt auch eine Rolle.

Mobilfunknetz entscheidend für Energieverbrauch

Das Forschungsprojekt Green Cloud Computing im Auftrag des Umweltbundesamts hat festgestellt, dass Streamen im mobilen Internet teilweise deutlich mehr Energie verbraucht als im WLAN zuhause. Der schlimmste Fall wäre demnach, 4K über Mobilfunk zu streamen. Womöglich noch über ein Mobilfunknetz älterer Generation. Für die Datenerhebung wurde unter anderem beim Streaming-Anbieter Zattoo gemessen. Die Erkenntnisse in Kürze:

  • Streaming über Glasfaser ist die klimafreundlichste Übertragungstechnik.
  • Videos über kabelgebundene Breitbandnetze zu schauen ist besser als über Mobilfunknetze.
  • Moderne Mobilfunknetze wie 5G sind deutlich effizienter und damit klimaschonender als alte Mobilfunknetze wie UMTS (3G).
Treibhausgasemissionen im Rechenzentrum und auf dem Übertragungsweg (Bild: artofsmart.de)
Treibhausgasemissionen im Rechenzentrum und auf dem Übertragungsweg (Grafik: artofsmart.de)

Die Forscher geben die Treibhausgasemissionen pro Stunde HD-Videostreaming in CO2-Äquivalenten an. Die drücken aus, wie sehr die Emissionen zur Erderwärmung beitragen.

Im Rechenzentrum bleiben die Treibhausgasemissionen konstant, egal welches Gerät am Ende der Übertragung das Video abspielt. Sie entsprechen bei einer Stunde HD-Streaming einer Autofahrt von 10 Metern. Entscheidend für die Klimaverträglichkeit von Videostreaming ist vor allem, auf welchem Übertragungsweg die Daten zu den Nutzerinnen und Nutzern kommen.

Glasfaser am effizientesten, UMTS pfui

Die geringste CO2-Belastung entsteht, wenn das HD-Video bis nach Hause über einen Glasfaser-Anschluss gestreamt wird (FTTH, „fibre to the home“), mit lediglich zwei Gramm CO2 je Stunde Video-Streaming für Rechenzentrum und Datenübertragung. Beim Breitbandanschluss über Kupferkabel (VDSL) sind es vier Gramm.

Noch energiefressender ist die Übertragung in Mobilfunknetzen. Das moderne 5G-Netz liegt bei der Effizienz mit etwa fünf Gramm CO2 je Stunde deutlich vorn. Dahinter rangiert mit 13 Gramm das LTE-Netz (4G), das momentan noch viele nutzen. Extrem energiefressend ist bei einer Stunde HD-Videostreaming das ältere UMTS-Netz (3G): 90 Gramm CO2 pro Stunde.

Im WLAN-Hotspot streamen

Wenn du unterwegs bist, schaue deine Videostreams am besten in einem Wlan-Hotspot. Das ist klimafreundlicher als im Mobilfunknetz. Aus Umweltsicht wäre es also auch sinnvoll, mehr öffentliche Wlan-Hotspots einzurichten.

Bildqualität reduzieren

Du kannst den Datenverkehr reduzieren, wenn du die Auflösung des Streams auf das notwendige Maß reduzierst. Gerade bei Handys und Tablets, die keine großen Displays haben. Sie können zwar oft eine hohe Pixelzahl darstellen, die Hersteller werben z.B. mit UHD-Auflösung. Allerdings kann das menschliche Auge laut den Forschern insbesondere bei Bewegtbildern eine hohe Auflösung nicht von einer geringeren Auflösung unterscheiden.

Videoqualität bei NetflixAuflösungDatenmenge pro Stunde
Niedrige Qualität300 MB/h
HD1280 × 720700 MB/h
Full HD1920 × 10803 GB/h
Ultra HD3840 × 21607 GB/h
Quelle: Umweltbundesamt mit tarife.at

Bei HD-Qualität liegt die Datenrate unter einem Gigabyte oder bei bis zu drei Gigabyte pro Stunde. Streamst du in 4K Ultra-HD, dann schickst du bis zu sieben Gigabyte pro Stunde durch das Datennetz.

Die Frage ist also: Brauche ich wirklich 4K? Oft ist diese Option auch teurer. Das Netflix-Abo mit 4K UHD kostet mehr. Auch wenn du z.B. bei Amazon einen Film kaufst oder leihst, ist die SD-Qualität oft günstiger und sieht genauso gut aus. Am Fire TV Stick musst du dazu auf „Weitere Videomöglichkeiten“ gehen. Denn standardmäßig wird die hochauflösende Variante angeboten.

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Auf einem mobilen Gerät streamen

Je kleiner der Bildschirm, umso weniger Stromverbrauch. Die Serie am Handy oder Tablet zu streamen statt auf dem Fernseher spart Energie, hat der Energieversorger Eon berechnet. Warum also nicht mit dem Tablet aufs Sofa lümmeln? Aber natürlich im Wlan streamen, nicht mobil! Du kannst auch auf dem Echo Show fernsehen, Netflix, Prime Video, ZDF Mediathek und mehr nutzen.

Autoplay ausschalten

Wenn Videos einfach loslaufen, kostet das unnötig Energie. Vor allem in den Smart-TV-Apps ist das verbreitet. Schalte daher die Autoplay-Funktion ab, wo immer es geht. Du sicherst dir damit nicht nur die Hoheit darüber, welche Videos du tatsächlich abspielen möchtest. Du sparst auch die Energie für überflüssigen Datenverbrauch von Videos, die du gar nicht sehen wolltest.

Autoplay am Fire TV Stick ausschalten

Der Fire TV Startbildschirm empfiehlt in einer Slideshow auf der oberen Hälfte Serien und Filme. Oft laufen hier einfach Trailer an. Das kannst du in den Einstellungen ausschalten. Hier ist unsere Anleitung.

Autoplay bei Netflix ausschalten

Die Trailer, die beim Stöbern im Netflix-Katalog automatisch abgespielt werden, deaktivierst du im Benutzerprofil. Dazu musst du auf der Netflix-Homepage in die Kontoeinstellungen gehen und dort auf dein Profil.

Autoplay bei YouTube ausschalten

Wenn du auf YouTube ein Video zu Ende geschaut hast, wird das nächste automatisch abgespielt. Das kannst du abschalten, indem du mit der Maus über den Videobereich fährst. Es öffnen sich die Steuerungselemente. Hier kannst du Autoplay abschalten.

Du kannst auch in der App von YouTube Autoplay oder Vorschauen mit Ton in den Einstellungen deaktivieren.

Hier kannst du Autoplay bei YouTube deaktivieren (Bild: artofsmart.de)
Hier kannst du Autoplay bei YouTube deaktivieren (Bild: artofsmart.de)

Autoplay bei Facebook ausschalten

Bei Facebook deaktivierst du die Autoplay-Funktion über die Einstellungen. Im Browser klickst du dort auf Video. In der App musst du erneut auf Einstellungen und unten auf Medien und Kontakte tippen.

Datenmengen wachsen

Mit diesen Tricks kannst du deinen CO2-Fußabdruck beim Videostreaming verkleinern, klimafreundlicher und energiesparend streamen. Denn die Datenmengen werden weiter wachsen – ob durch vernetztes Fahren, Heimkino, Videokonferenzen, Cloud-Dienste oder Cloud-Gaming. Im März 2020 wurde am weltweit größten Internetknoten in Frankfurt/Main (DE-CIX) ein Spitzenwert von 9,16 TBit (Terabit) Datendurchsatz pro Sekunde gemessen. Das entspricht der gleichzeitigen Übertragung von mehr als zwei Millionen HD-Videos und ist der höchste Wert, der dort je gemessen wurde.

Auch auf der Seite von Anbietern und Politik muss die Entwicklung schritthalten. Das Bundesumweltamt fordert als Fazit aus seiner Studie, verstärkt in den Ausbau der Glasfasernetze zu investieren. Auch den neuen Mobilfunkstandard 5G findet es vielversprechend. Die Streaming-Anbieter können mit effizienteren Rechenzentren etwas tun, sie mit Ökostrom betreiben oder in einer Art Selbstverpflichtung standardmäßig Autoplay ausschalten und eine ans Gerät angepasste, vernünftige Videoauflösung ausliefern.

Alle Tipps kompakt zusammengefasst

Wie kann ich umweltfreundlicher und energiesparend streamen?

  1. Streame wann immer möglich über einen leitungsgebundenen Anschluss oder Wlan-Hotspot, nicht über Mobilfunk.

  2. Wähle für das mobile Streamen ein modernes Netz wie 5G.

  3. Streame auf Handy und Tablet statt auf Fernseher oder Computer.

  4. Wähle eine niedrigere Videoqualität.

  5. Deaktiviere Autoplay.

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QUELLEForschungsprojekt "Green Cloud-Computing" von Öko-Institut und Fraunhofer IZM im Auftrag des Umweltbundesamtes
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