Digitalradio-Hörer sparen rund 40 Prozent Strom

Warum Digitalradio einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann, UKW aber gebraucht wird

Laut „green radio“-Studie spart das Digitalradio DAB+ bei Sendern und Hörern viel Energie. Wie Radiohörer Strom sparen und wo der Umstieg hakt.

Digitalradio von Grundig mit DAB+ (Bild: Beko Grundig Deutschland GmbH)
Digitalradio von Grundig mit DAB+ (Bild: Beko Grundig Deutschland GmbH)

Die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) und der Bayerische Rundfunk (BR) haben mit weiteren Partnern den Energieverbrauch von Radio über UKW und DAB+ miteinander verglichen. DAB+ ist Digitalradio – und das bietet der Studie „green radio“ zufolge hohes Einsparpotenzial bei Ausstrahlung und Empfang. Klimaschutz durch technische Innovation sozusagen.

„So profitieren alle, die DAB+ hören, nicht nur von besserem Klang und mehr Programmauswahl, sondern tun gleichzeitig etwas für den Klimaschutz“, meint Siegfried Schneider, Präsident der BLM. Die Behörde ist in Bayern für den Privatfunk zuständig.

Stromsparen beim Radiohören

Wer Digitalradio hört statt UKW, kann laut BR und BLM bis zu 40 Prozent Strom sparen. Der Grund liegt im geringeren Energieverbrauch der neuen Radiogeräte, die man dafür braucht. Der Verbrauch wird im Wesentlichen vom Netzteil und den Leistungsendstufen bestimmt. Daher hat sich der Stromverbrauch von Radiogeräten trotz Zusatzfunktionen wie Displays oder WLAN in den vergangenen Jahren um rund 40 Prozent verringert.

Durch einen kontinuierlichen Austausch der bundesweit rund 122 Millionen UKW-Radios sind also laut BR und BLM auf der Empfangsseite erhebliche Energieeinsparungen möglich.

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Nachhaltiges Senden

Noch gewaltiger sind die Einsparpotentiale bei den Radiosendern. Die Studie zeigt, dass der Energieverbrauch bei der Ausstrahlung eines Radioprogramms deutlich geringer ist als bei UKW. Würde der Bayerische Rundfunk seine Programme nur noch über DAB+ ausstrahlen, könnte er demnach rund 75 Prozent pro Programm an Energie einsparen, Antenne Bayern sogar rund 85 Prozent für ihr Programm. Andere Anbieter in Deutschland kommen auf ein ähnliches Einsparpotenzial.

Für BR-Intendantin Dr. Katja Wildermuth eine wichtige Erkenntnis: „Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk sind wir der Allgemeinheit verpflichtet. Dies umfasst auch Aspekte der ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit.“

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Umstieg auf DAB+ umstritten

Der Umstieg auf DAB+ jedoch ist schwierig: Die Debatte, ob UKW zugunsten von DAB+ abgeschaltet werden soll, tobt seit vielen Jahren. Derzeit existieren beide Techniken nebeneinander.

Die Zahl der DAB+ Geräte in deutschen Haushalten steigt – laut ARD um rund fünf Millionen Geräte allein von 2020 bis 2021 auf 21,7 Millionen (Digitalisierungsbericht Audio 2021). In Österreich gab es drei Prozent mehr Digitalradiobesitzer. Doch die anderen Hörer könnte man verlieren, wenn man UKW abschalten würde und die Betroffenen keine Digitalradios kaufen wollen. Davor sorgen sich vor allem die privaten Radiosender, die für ihre Werbekunden gute Hörerzahlen brauchen.

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Privatsender wollen UKW behalten

Marco Maier, Geschäftsführer von FFH, betont, dass der UKW-Empfang in Deutschland ungebrochen relevant sei: „Dieser Übertragungsweg bleibt daher absehbar noch lange die wirtschaftliche Grundlage des Privatradios in Deutschland. Mit den Erlösen aus der UKW-Verbreitung finanzieren die Privaten auch ihre Aktivitäten in wichtigen digitalen Innovationsfeldern wie dem Webradio, Digitalradio und Audio-on-Demand-Angeboten und sind hier schon heute mit ihren Inhalten breit vertreten. Die UKW-Verbreitung ist der Garant für die bestehende Vielfalt von Radio und Audio in Deutschland und darf nicht angetastet werden.“

Zu den Energieeinsparpotenzialen durch Digitalradio sagt Maier, der auch Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste des Privatmedien-Verbands VAUNET ist: „Aktuell bleibt leider kein Argument unbemüht, um die UKW-Übertragung in Frage zu stellen.“ Beim Digitalradio seien entscheidende Fragen wie Sendegebiete oder Frequenzen noch offen. Außerdem müsse man auch beachten, wieviel Elektroschrott wohl anfallen würde, wenn man zu einem Stichtag schlagartig umstellen würde. „UKW ist nicht der Verbrennungsmotor der Radiobranche“, so Maier.

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