Google Nest Hub im Test: Smartes Display mit seltsamen Schwächen

Lautsprecher mit Display und den Apps aus der Google-Welt

Der Display-Lautsprecher Google Nest Hub glänzt mit nützlichen Bildschirm-Infos und Video-Funktionen. Der Sound ist nichts für HiFi-Ohren. Unnötige Schwächen des Smart Speakers mit Google Assistant geben im Test Rätsel auf.

Google Nest Hub Bildschirm (Bild: Google)
Google Nest Hub Bildschirm (Bild: Google)

Der Google Nest Hub erweitert den günstigen, aber sehr passablen Smart Speaker Google Nest Mini um ein Display. Der Name ist allerdings etwas irreführend: Wer erwartet, dass der Display-Lautsprecher einen Smart Home Hub integriert hat wie z.B. der Amazon Echo, wird enttäuscht. Einen solchen Hub, der ein eigenes Smart-Home-Netzwerk mit vernetzten Geräten wie Lampen, Steckdosen etc. aufbauen kann, ist nicht an Bord.

Die Möglichkeit, smarte Geräte mit der Stimme zu steuern, bietet der Google Nest Hub dennoch. Sie müssen dann eben im WLAN funken können, teilweise ist auch eine extra App oder Bridge der Hersteller nötig, die in der Google Home App mit dem Google Assistant verbunden wird. Dieser Sprachassistent arbeitet natürlich auch im Google Nest Hub.

Unverständliche Einschränkungen des Google Home Hub

Der Assistent wird aber unnötig beschränkt: Wecker mit Musik zu stellen, war im Test nicht möglich. Ist das Mikro für die Spracherkennung deaktiviert, kann man den Google Assistant nicht mit einem Tastendruck dennoch befragen wie bei anderen Smart Speakern. Netflix lief auf dem Display nicht, obwohl der Streaming-Dienst eigentlich kompatibel mit der eingebauten Google Chromecast-Technologie ist. Eine Möglichkeit, auf dem Google Home Hub E-Mails aus dem Gmail-Postfach vorlesen oder anzeigen zu lassen, suchten wir im Test vergeblich. Aussage des Supports: „This isn’t supported at this time.“ Man solle es den Entwicklern hier vorschlagen. Der Sound des Google Nest Hub ist nicht besonders gut, es fehlt deutlich hörbar der Bass.

Google Nest Hub: Welchen Mehrwert bietet das Display?

Der Vorteil des 7-Zoll-Displays drängt sich im Test nicht gleich auf, zeigt sich dann aber doch. So hat das Gerät im Gegensatz zum Amazon Echo Show keine Kamera für Videotelefonate. Über Google Duo kann man zwar telefonieren, das Gegenüber kann einen aber nicht sehen. Auch einen Browser fanden wir zum Test-Zeitpunkt nicht. Aber: Das Bild des Google Nest Hub ist gut und scharf.

Als digitaler Bilderrahmen erfüllt er auch dann eine bereichernde Funktion im Haushalt, wenn er gerade nicht benutzt wird. Über den Dienst Google Fotos kann man eigene Bilder hinzufügen. Alternativ zeigt das Display eine Uhr an. Aktiviert man das Gerät, erscheint der Startbildschirm. Darauf sind Informationen wie Wetter oder der Google Kalender zu sehen, den man über sein Android-Smartphone oder eben per Spracheingabe über den Smart Speaker füllt.

Wer sich darauf einlassen will, vom Kalender bis zum Telefonat alles über Google-Dienste abzuwickeln (und Daten preiszugeben), bekommt mit dem Google Nest Hub ein praktisches Gerät, das sie alle zusammenbringt. Die Google-Welt ist vielen ohnehin vom Android-Handy vertraut: Eigentlich bewegt sich fast jeder darin, der sich nicht Apple verschrieben hat. Beide Firmen verstehen sich sehr gut darauf, die Nutzer mit nahtlos auf diversen Geräten synchronisierten Services an sich zu binden. Man muss dazu natürlich überall das gleiche Google-Konto benutzen.

Timer laufen grafisch runter, Verkehrsbehinderungen auf dem Weg zur Arbeit werden mit einer Karte dargestellt, der Google Assistant beantwortet Wissensfragen auch mit Bildern. Zudem werden zu den Antworten passende Anschlussfragen eingeblendet.

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Produktvideo des Google Nest Hub

Übersichtliche Ansicht aller Smart Home Geräte

Der Google Nest Hub fasst die mit ihm bzw. dem Google Assistant verbundenen Smart-Home-Geräte in einer Ansicht zusammen. Hier geht es dann mit Sprachbefehlen oder Tippen und Wischen auf dem Touch-Display weiter. Dass der Assistant Anweisungen wie „OK Google, schalte das Licht im Wohnzimmer aus“ bestätigt, also wiederholt, kann nerven. Geräte, die mit dem Google Assistant kompatibel sind, gibt es zahlreich – nicht nur aus der eigenen Nest-Produktreihe, sondern auch von anderen Herstellern. Das reicht von Lampen über Thermostate bis hin zu Türklingeln und Überwachungskameras.

Sorgen, dass das Display nachts zu hell leuchtet, muss man sich nicht machen: Ob es komplett abdunkeln oder eine Mindesthelligkeit beibehalten soll, ob eine Uhr angezeigt werden soll oder nicht – all das lässt sich einstellen.

Video-Freuden dank Chromecast

Seine Vorzüge spielt das Display aber bei Videoinhalten so richtig aus. Der Google Nest Hub hat die Chromecast-Technologie eingebaut. Man kann also vom Smartphone, Tablet oder aus dem Chrome-Browser am Rechner Videoinhalte auf den Google Nest Hub streamen. Das funktioniert mit vielen Videodiensten, Videoapps und Mediatheken – sowohl mit Android-Handys als auch mit iPhones. Zudem spielt der Google Nest Hub YouTube-Videos auf Zuruf ab. Viele stellen sich so ein Smart Display gerne in die Küche: Wegen Rezept-Videos mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Allerdings kann man YouTube-Videos nicht gezielt auswählen, sondern nur allgemein z.B. nach Rezepten für ein bestimmtes Gericht fragen – YouTube spielt dann irgendeines ab. Netflix ließ sich im Test nicht auf dem Google Nest Hub ansehen. Dafür sind Mediatheken von ARD, ZDF und weiterer TV-Sender verfügbar.

Wer am Fernseher einen Chromecast Streaming-Stick eingesteckt hat – oder einen Chromecast-kompatiblen Smart-TV besitzt – kann über die Mikrofone des Google Nest Hub die Video-Wiedergabe per Stimme steuern. Von Netflix oder YouTube kann man sich Inhalte wünschen, die dann auf dem TV abgespielt werden. Andere Dienste und Mediatheken streamt man vom Handy, Tablet oder Chrome-Browser über Chromecast auf den TV. Über die Spracherkennung des Google Nest Hub kann man die Videos dann per Ansage pausieren oder zurückspulen.

Google Nest Hub: Flacher Sound fürs Musikstreaming

Musikstreaming ist kein großes Vergnügen auf dem Google Nest Hub. Dafür hat der Breitband-Lautsprecher einfach zu wenig Bass. Für Musikstreaming auf Zuruf unterstützt der Google Assistant die Musikstreaming-Dienste Spotify, Apple Music, YouTube Music (ohne Musikvideo zum Song) und Deezer, sowie den Webradio-Dienst TuneIn.

Andere Dienste wie Amazon Music oder Audible kann man auf dem Google Nest Hub dann hören, wenn man sie via Bluetooth dorthin überträgt, etwa vom Handy. Prime-Kunden mit Amazon Music- und Audible-Abo sollten also eher über den ähnlich großen Echo Show 8 nachdenken oder einen Echo Lautsprecher.

Zuverlässige Mikrofone: Auch aus der Distanz gute Spracherkennung

Die Sprachbefehle werden von den Mikrofonen des Google Nest Hub dank Far-Field-Spracherkennung gut eingefangen und zuverlässig umgesetzt. Auch dann, wenn man weiter weg steht. Zur Auswahl stehen die Aktivierungsworte „Ok Google“ oder „Hey Google“. Manchmal, wenn einen der Google Assistant nicht richtig versteht und verspricht, „ich lerne aber jeden Tag dazu“, kommt man sich ein bisschen vor wie ein Beta-Tester.

Für mehr Privatsphäre lässt sich das Mikrofon auch ausschalten. Dann allerdings kann man den Google Assistant nicht mehr benutzen. Es gibt keine Taste, die ihn für eine einzelne Spracheingabe aktiviert. Die Mikro-Aus-Taste muss man etwas unpraktisch auf der Rückseite des Smart Speakers ertasten, wenn er nicht rundum einsehbar im Raum steht – ebenso die Lautstärkewippe. Beim Amazon Echo Show kommt man leichter ran.

Tasten am LG WK7 Smart Speaker (Bild: artofsmart.de)
Eine Google Assistant Taste wie hier am LG WK7 Smart Speaker hat der Google Nest Hub nicht (Bild: artofsmart.de)

Google Nest Hub: Unkomplizierte Einrichtung via Home-App

Die Einrichtung des Google Nest Hub geschieht nicht etwa auf dem Display. Statt dessen wird sie wie auch beim Google Home und Google Nest Mini über die Google Home App vorgenommen. Das funktioniert allerdings relativ unkompliziert. Voraussetzung ist ein Google-Konto, das Nutzer eines Android-Smartphones bereits haben. Die WLAN-Informationen werden – wenn man zustimmt – vom Handy übernommen.

Um die volle Bandbreite der Möglichkeiten nutzen zu können, muss man seinen Standort freigeben. Nur dann gibt’s zum Beispiel Infos zur Verkehrslage. Übrigens kann jeder Nutzer seine persönlichen Infos vom Google Nest Hub bekommen: Der Google Assistant kann bis zu sechs Personen an der Stimme unterscheiden. Dazu müssen die Personen am Gerät etwas Text einsprechen, damit es die Unterschiede lernt.

Etwas ärgerlich ist das große Netzteil, das benachbarte Steckdosen mit blockiert. Ein USB-C als Stromanschluss würde den Google Nest Hub etwas flexibler machen, da man ihn dann auch woanders mit einer Powerbank betreiben könnte.

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